Vortrag: PD Dr. Wolfgang Baum (Universität Regensburg)
Musikalische Gestaltung/Organisation: Andreas Dombert

Mensch und Gesellschaft befinden sich gegenwärtig in einer tiefen Vertrauenskrise: Das auf Wachstum und Leistung beruhende gesellschaftliche Selbstverständnis des Westens, das sich im Zuge der Globalisierung zum weltweiten Standardmodell entwickelt hat, formt das Ideal eines auf Beschleunigung und Zweckökonomisierung seiner Lebenswelt ausgerichteten Menschen. Gewinnmaximierung, Effizienz und Zeitverknappung sowie die bedingungslose Unterwerfung unter allmächtige Gesetze der „Märkte“ haben zwar auf der einen Seite für einen bislang ungeahnten Reichtum und materiellen Wohlstand gesorgt. Auf der anderen Seite ist der Preis ebenso hoch: Den wenigen hochentwickelten Ländern des „globalen Nordens“*korrespondiert die erdrückende Mehrheit ökonomisch wie ökologisch ausgebeuteter Nationen des „globalen Südens“. Bezogen auf die unmittelbare Lebenswelt der Menschen zeigen sich allerdings in beiden Hemisphären analoge Krisensymptome: Während die Menschen in den Entwicklungsländern ums nackte Überleben kämpfen, sind die Bewohner des globalen Nordens den Anforderungen einer weitestgehend sinnentleerten, anonymisierten und digitalisierten Arbeitswelt sowie einem erbarmungslosen Wettbewerb ausgeliefert, der jede Frage an den Wert von Humanität und Ethik untergräbt. Worin bestehen aber die Ursachen, wie können die Lösungen aussehen? Auf diese und ähnliche Fragen versucht der Vortrag erste Antworten zu bieten. (* Die Begriffe „globaler Norden“ und „globaler Süden“ stammen von Stefan Lessenich.)